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    <title>textspeicher</title>
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    <pubDate>Tue, 07 Jul 2026 00:09:53 +0000</pubDate>
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      <title>War früher alles besser? (Wochentext #20/2026)</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Es macht sich eine tückische Stimmung breit im Lande. Zugegeben, wir leben in schwierigen, um nicht zu sagen chaotischen Zeiten, alte Gewissheiten zerstieben fast täglich, man weiss nicht mehr so recht, wer noch Freund und wer Feind ist, unsere Gesellschaften sind oft schon über einfachste Fragen sehr gespalten, Krieg als Mittel der Politik ist plötzlich wieder hoffähig und Politiker scheinen irgendwo zwischen. grössenwahnsinnig und leichtfertig zu agieren. Da kommt bei vielen plötzlich die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ auf. Nostalgie wird zum Mittel der Politik und von Populisten jeglicher Couleur gerne genutzt, um auf Stimmenfang zu gehen. Dazu wird natürlich auch gerne mit der Angst gearbeitet, obwohl Angst zwar ein wichtiges Warnsignal, aber immer ein schlechter Ratgeber ist. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Da hört und liest man davon „dass man sich sein Land zurückholen“ wird, dass es jetzt nur noch um „America first“ oder „Deutschland – nur normal“ geht. Und auch in der Schweiz grüsst von allen Plakatwänden eine Bilderbuchschweiz wie aus den Heidifilmen und es wird suggeriert, wenn wir jetzt nur die richtige, eine Entscheidung treffen, dann bekommen wir die „gute alte Zeit“ und eine Schweiz, „wie sie einmal war“ zurück (gibt es ein Fundbüro für verlorene Gefühle oder Zeiten?) und wundersamerweise werden wir alle mehr verdienen und weniger Miete zahlen (rein wirtschaftlich zwei Tatsachen, die sich eher ausschliessen, es sei denn alle Vermieter werden zu barmherzigen Samaritern), in halbleeren Zügen mit angenehm viel Platzangebot fahren (ich schreibe das jetzt in einem Zug zur besten Zeit und auf einer Hauptstrecke, mir gegenüber sitzt niemand und auch vor mir, hinter mir, neben mir entdecke ich noch überall freie Plätze) und staufrei von St. Gallen nach Genf über die Autobahn brausen. Zugleich werden all jene Kreise, die in den letzten Jahren den Naturschutz aktiv blockiert haben, plötzlich ebenjenen entdecken und behutsam mit unserer wunderbaren Schweizer Natur umgehen. Eine Nachhaltigkeitsinitaitive eben. Man verzeihe mir die Ironie.&#xA;Ich will das Gefühl vieler Menschen, das auch hinter dieser Initiative steht, gar nicht kleinreden. Die Schweiz war und ist erfolgreich, sie ist gewachsen und leider zieht der Erfolg auch immer Menschen an, Migration hat auch viel am Schweizer Erfolg der letzten Jahrzehnte mitgebaut. Das Land ist gewachsen und hat sich verändert. Das spüre selbst ich. Zwischen meiner Studienzeit in den Schweiz in den Neunzigern und der Schweiz, in die 2012 zurückkehrte gibt es unübersehbare Unterschiede. Ich würde sagen, aus meiner subjektiven Sicht ist die Schweiz schneller, bunter, lauter, manchmal auch anstrengender geworden. Vieles hat sich polarisiert, Kompromisse scheinen nicht mehr so selbstverständlich dazugehören, wie es einmal war. Dennoch erlebe ich sie immer noch als ein sehr ruhiges, angenehmes, friedliches, sehr gut organisiertes Land, in dem ich gerne lebe. Natürlich bringen Wachstum und Migration auch Probleme mit sich. Und es ist völlig berechtigt, diese anzusprechen und nach Lösungen zu suchen.&#xA;Nur fällt es mir schwer zu glauben, dass radikale Lösungen, die für ein komplexes Problem nur einen Grund sehen, uns weiterbringen. Mit sorgfältiger Betrachtung der Auswirkungen solcher Massnahmen fällt es mir noch schwerer, zu glauben, dass ausgerechnet Abschottung und Frontstellungen die Probleme, die wir spüren.lösen. Meine Sorge ist, dass sie sich vielmehr noch verschärfen. Zunächst sollte man eine ehrliche Debatte darüber führen, welchen Preis Fortschritt und Wachstum haben und welchen Preis wir dafür zu zahlen bereit sind. Dann muss aber auch die Debatte darüber geführt werden, welchen Preis eine Abschottung und Konflikte mit der EU mit sich bringen und ob wir wirklich bereit sind, diesen zu zahlen. Unser Wohlstand und die Schönheit des Landes, das Glück, das die Schweiz neben viel Fleiss auch immer wieder hatte, sowohl im Blick auf Erfolge als auch auf grosse Katastrophen, könnte uns verleiten, zu glauben, wir wären immer auf der Sonnenseite des Lebens und hätten eine Sonderstellung.&#xA;Die Nostalgie, die Gefühle können dabei tückische Ratgeber sein. Denn die Nostalgie könnte man dabei als einen Ausgleich empfinden, für etwas, das nicht mehr so erlebt oder empfunden wird wie es einmal war oder gewünscht wird. Nostalgie gleicht also eine Schieflage aus zwischen etwas, das man man unbefriedigend empfindet und etwas, was man sich wünscht und vermisst. Nostalgie korrigiert also, was wir als schief empfinden, Das Problem ist, dass dabei oft das Vergangene verklärt wird und das Ganze sentimental daherkommt, also mehr von Gefühlen als echtem Nachdenken geleitet. Gefühle allein sind aber immer ein schlechter Ratgeber. Die Nostalgie ist eng verwandt mit dem Heimweh, das als Phänomen ja zuerst bei im Ausland stationierten Schweizer Söldnern beschrieben wurde, die sich nach der (oft verklärten) Heimat sehnten.&#xA;Auch die Bibel kennt dieses Phänomen, wenn sich das Volk Israel in der Wüste nach „den Fleischtöpfen Ägyptens“ zurücksehnt (2. Mose 16,3), obwohl wir aus der Bibel selbst wissen, dass die Nahrung aus billigem Fisch und Zwiebeln bestand und die Israeliten unterdrückte Arbeitssklaven waren.&#xA;Aus christlicher Sicht ist die Nostalgie nicht nur abzulehnen, weil sie unehrlich ist, weil sie verklärt, sondern weil sie auch wenig Vertrauen in Gott zeigt, der die Zukunft ist und sich gerade als Gott, der mitgeht, der vorangeht und der Neues erschliesst gezeigt hat. Weder Nostalgie noch Angst entsprechen dem christlichen Glauben. „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt, und jage auf das Ziel zu …“ (Philipper 3,13-14) heisst es bei Paulus. Wenn wir glauben, dass Gott die Zukunft ist, können wir uns weder ängstlich einschließen oder abschotten, noch uns über andere erheben oder nur an uns, unser Land etc. denken, sondern im Vertrauen auf Gott und die Zukunft, die er verspricht, nicht nur auf unsere Ängste und unsere Nostalgie hören, sondern besonnen und rational nach Lösungen suchen, die Zukunft öffnet und nicht uns von anderen und der Welt abschneiden. Das wäre wirklich nachhaltig. Und ehrlich.&#xA;&#xA;Ich wünsche unserem Land die besten Entscheidungen.&#xA;&#xA;Uwe Hayno Klaas Tatjes]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es macht sich eine tückische Stimmung breit im Lande. Zugegeben, wir leben in schwierigen, um nicht zu sagen chaotischen Zeiten, alte Gewissheiten zerstieben fast täglich, man weiss nicht mehr so recht, wer noch Freund und wer Feind ist, unsere Gesellschaften sind oft schon über einfachste Fragen sehr gespalten, Krieg als Mittel der Politik ist plötzlich wieder hoffähig und Politiker scheinen irgendwo zwischen. grössenwahnsinnig und leichtfertig zu agieren. Da kommt bei vielen plötzlich die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ auf. Nostalgie wird zum Mittel der Politik und von Populisten jeglicher Couleur gerne genutzt, um auf Stimmenfang zu gehen. Dazu wird natürlich auch gerne mit der Angst gearbeitet, obwohl Angst zwar ein wichtiges Warnsignal, aber immer ein schlechter Ratgeber ist. </p>



<p>Da hört und liest man davon „dass man sich sein Land zurückholen“ wird, dass es jetzt nur noch um „America first“ oder „Deutschland – nur normal“ geht. Und auch in der Schweiz grüsst von allen Plakatwänden eine Bilderbuchschweiz wie aus den Heidifilmen und es wird suggeriert, wenn wir jetzt nur die richtige, eine Entscheidung treffen, dann bekommen wir die „gute alte Zeit“ und eine Schweiz, „wie sie einmal war“ zurück (gibt es ein Fundbüro für verlorene Gefühle oder Zeiten?) und wundersamerweise werden wir alle mehr verdienen und weniger Miete zahlen (rein wirtschaftlich zwei Tatsachen, die sich eher ausschliessen, es sei denn alle Vermieter werden zu barmherzigen Samaritern), in halbleeren Zügen mit angenehm viel Platzangebot fahren (ich schreibe das jetzt in einem Zug zur besten Zeit und auf einer Hauptstrecke, mir gegenüber sitzt niemand und auch vor mir, hinter mir, neben mir entdecke ich noch überall freie Plätze) und staufrei von St. Gallen nach Genf über die Autobahn brausen. Zugleich werden all jene Kreise, die in den letzten Jahren den Naturschutz aktiv blockiert haben, plötzlich ebenjenen entdecken und behutsam mit unserer wunderbaren Schweizer Natur umgehen. Eine Nachhaltigkeitsinitaitive eben. Man verzeihe mir die Ironie.
Ich will das Gefühl vieler Menschen, das auch hinter dieser Initiative steht, gar nicht kleinreden. Die Schweiz war und ist erfolgreich, sie ist gewachsen und leider zieht der Erfolg auch immer Menschen an, Migration hat auch viel am Schweizer Erfolg der letzten Jahrzehnte mitgebaut. Das Land ist gewachsen und hat sich verändert. Das spüre selbst ich. Zwischen meiner Studienzeit in den Schweiz in den Neunzigern und der Schweiz, in die 2012 zurückkehrte gibt es unübersehbare Unterschiede. Ich würde sagen, aus meiner subjektiven Sicht ist die Schweiz schneller, bunter, lauter, manchmal auch anstrengender geworden. Vieles hat sich polarisiert, Kompromisse scheinen nicht mehr so selbstverständlich dazugehören, wie es einmal war. Dennoch erlebe ich sie immer noch als ein sehr ruhiges, angenehmes, friedliches, sehr gut organisiertes Land, in dem ich gerne lebe. Natürlich bringen Wachstum und Migration auch Probleme mit sich. Und es ist völlig berechtigt, diese anzusprechen und nach Lösungen zu suchen.
Nur fällt es mir schwer zu glauben, dass radikale Lösungen, die für ein komplexes Problem nur einen Grund sehen, uns weiterbringen. Mit sorgfältiger Betrachtung der Auswirkungen solcher Massnahmen fällt es mir noch schwerer, zu glauben, dass ausgerechnet Abschottung und Frontstellungen die Probleme, die wir spüren.lösen. Meine Sorge ist, dass sie sich vielmehr noch verschärfen. Zunächst sollte man eine ehrliche Debatte darüber führen, welchen Preis Fortschritt und Wachstum haben und welchen Preis wir dafür zu zahlen bereit sind. Dann muss aber auch die Debatte darüber geführt werden, welchen Preis eine Abschottung und Konflikte mit der EU mit sich bringen und ob wir wirklich bereit sind, diesen zu zahlen. Unser Wohlstand und die Schönheit des Landes, das Glück, das die Schweiz neben viel Fleiss auch immer wieder hatte, sowohl im Blick auf Erfolge als auch auf grosse Katastrophen, könnte uns verleiten, zu glauben, wir wären immer auf der Sonnenseite des Lebens und hätten eine Sonderstellung.
Die Nostalgie, die Gefühle können dabei tückische Ratgeber sein. Denn die Nostalgie könnte man dabei als einen Ausgleich empfinden, für etwas, das nicht mehr so erlebt oder empfunden wird wie es einmal war oder gewünscht wird. Nostalgie gleicht also eine Schieflage aus zwischen etwas, das man man unbefriedigend empfindet und etwas, was man sich wünscht und vermisst. Nostalgie korrigiert also, was wir als schief empfinden, Das Problem ist, dass dabei oft das Vergangene verklärt wird und das Ganze sentimental daherkommt, also mehr von Gefühlen als echtem Nachdenken geleitet. Gefühle allein sind aber immer ein schlechter Ratgeber. Die Nostalgie ist eng verwandt mit dem Heimweh, das als Phänomen ja zuerst bei im Ausland stationierten Schweizer Söldnern beschrieben wurde, die sich nach der (oft verklärten) Heimat sehnten.
Auch die Bibel kennt dieses Phänomen, wenn sich das Volk Israel in der Wüste nach „den Fleischtöpfen Ägyptens“ zurücksehnt (2. Mose 16,3), obwohl wir aus der Bibel selbst wissen, dass die Nahrung aus billigem Fisch und Zwiebeln bestand und die Israeliten unterdrückte Arbeitssklaven waren.
Aus christlicher Sicht ist die Nostalgie nicht nur abzulehnen, weil sie unehrlich ist, weil sie verklärt, sondern weil sie auch wenig Vertrauen in Gott zeigt, der die Zukunft ist und sich gerade als Gott, der mitgeht, der vorangeht und der Neues erschliesst gezeigt hat. Weder Nostalgie noch Angst entsprechen dem christlichen Glauben. „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt, und jage auf das Ziel zu …“ (Philipper 3,13-14) heisst es bei Paulus. Wenn wir glauben, dass Gott die Zukunft ist, können wir uns weder ängstlich einschließen oder abschotten, noch uns über andere erheben oder nur an uns, unser Land etc. denken, sondern im Vertrauen auf Gott und die Zukunft, die er verspricht, nicht nur auf unsere Ängste und unsere Nostalgie hören, sondern besonnen und rational nach Lösungen suchen, die Zukunft öffnet und nicht uns von anderen und der Welt abschneiden. Das wäre wirklich nachhaltig. Und ehrlich.</p>

<p>Ich wünsche unserem Land die besten Entscheidungen.</p>

<p><em>Uwe Hayno Klaas Tatjes</em></p>
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      <guid>https://tatjes.ch/war-frueher-alles-besser-wochentext-20-2026</guid>
      <pubDate>Tue, 30 Jun 2026 21:30:51 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title> Alles Zufall? Oder: Bruchstellen des Universums (Wochentext #19/2026)</title>
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      <description>&lt;![CDATA[&#xA;Warum hier und nicht woanders – und warum überhaupt&#xA;&#xA;Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, warum Sie überhaupt da sind? Ich meine, wenn Sie aus einer kinderreichen Familie stammen, was wäre, wenn Ihre Mutter schon beim vorherigen oder vorvorherigen Geschwister gesagt hätte: Schluss, aus. Ich kann nicht mehr. Keine weiteren Kinder. Wenn Ihr Vater oder Ihre Mutter an dem Tag (oder der Nacht) Ihrer Zeugung keine Lust oder einfach Migräne gehabt hätte? Was wenn Ihre Frau Mama dem Werben eines anderen Mannes nachgegeben hätte oder die Spermien Ihres Vaters sich woanders auf Wettrennen begeben hätten?&#xA;&#xA;Und überhaupt, warum sind Sie überhaupt hier geboren und nicht irgendwo in Afrika, in den Anden oder in einer asiatischen Grossstadt? Welchem Zufall haben Sie es zu verdanken, dass Sie gerade der oder die sind, die Sie heute nun mal sind?&#xA;&#xA;Sind wir mehr als ein Zufall?&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Wenn wir anfangen darüber nachzudenken, dann merken wir, dass unser Leben gar nicht so notwendig ist, wie es unserem Bewusstsein manchmal vorkommt und nicht mehr als ein Zufall in einem Universum aus Zufälligkeiten zu sein scheint.&#xA;&#xA;Unser Bewusstsein gerät ob solcher Fragen an Grenzen und eine Bruchstelle tut sich auf zwischen der Selbstverständlichkeit, mit der wir uns wahrnehmen und der Zufälligkeit, die unser Leben inmitten des Universums darstellt.&#xA;&#xA;Und doch gibt es in uns Menschen etwas, das hinausdrängt über das, was sowieso offensichtlich ist, was mehr ist als reine Materie und Ergebnis des Zufalls. Wir transzendieren, sagen die Philosophen. Wir fragen nach dem, was über uns hinausgeht.&#xA;&#xA;Angesprochen und herausgerufen&#xA;&#xA;Die Bibel fasst etwas davon in kurzen Worten zusammen:&#xA;&#xA;„Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein“ (Jes 43, 1)&#xA;&#xA;Dieser Satz ist wahrscheinlich einer, den man auch ohne grosse Bibelkenntnisse sofort versteht. Spricht er doch eine persönliche  Erfahrung an, dass wir uns als Menschen gerade darin selbst begreifen, dass wir Sprache und einen Namen haben, ansprechbar sind und andere(s) ansprechen können. In der Spannung von „Du“ und „Ich“ entsteht eine Sphäre des Personalen, die fern jedes Zufälligen dem Dasein etwas ganz Besonderes gibt.&#xA;&#xA;Als Angesprochene werden wir gerufen, man könnte auch sagen, herausgerufen aus dem Wust der Koinzidenzen, im Angesprochensein manifestiert sich auch so etwas wie ein Ruf, ein Sinn, dem wir zustreben. Weil ich für jemand anderen wichtig bin, bin ich auch mehr als ein Zufall. Darin verborgen eine elementare Hoffnung: Es gibt inmitten der Zufälle, inmitten des Unberechenbaren ein Gegenüber. Aus dieser Sehnsucht und diesen Erfahrungen wächst auch die Religion.&#xA;&#xA;Nicht persönlich gemeint, aber doch persönlich genommen&#xA;&#xA;Diese Worte der Bibel werden von uns persönlich gehört. Aber ursprünglich sind sie an das Volk Israel im Exil gerichtet. Sie sind gesättigt mit historischen Erfahrungen, der militärischen Niederlage und dem Untergang Israels, der Verschleppung und dem Exil des Volkes. Sie schlagen einen Bogen von der Befreiungstat Gottes in Ägypten in die Gegenwart, wo Gott auch wieder aus der Knechtschaft des Exils befreien wird. Gott wird unter diesen Erfahrungen nicht nur immer klarer als Schöpfer des Ganzen, sondern auch als Lenker der Geschichte gesehen. Ausgehend von dem lokalen Gott, der sich Israel auserwählt und begleitet, weitet sich sein Begriff zu einem universalen Gott, der verlässlich ist und die Geschichte lenkt. Was das Volk im Grossen erlebte: Die Zuverlässigkeit, die persönliche Zuwendung Gottes zum Volk im Ganzen, das überträgt man dann auch wieder auf das eigene Leben. Woraus sich erklärt, dass diese Worte nicht persönlich gemeint waren, an einen oder eine Einzelnen/Einzelne adressiert waren, aber gleichwohl auch persönlich gehört und verstanden werden können.&#xA;&#xA;Die Geschichte, mein Leben hat ein Gegenüber und ein Ziel.&#xA;&#xA;Alles zwecklos&#xA;&#xA;Solche Überlegungen haben ihren Charme und werden darum auch gerne persönlich angeeignet. Die moderne Biologie ist da manchmal unbarmherziger, weil sie uns sagt, dass das Leben zufällig entsteht, indem sich etwas Zweckmäßiges  aus Zwecklosem bildet. Darin verhält sich die organische Welt auch grundlegend anders als die anorganische, die mit Naturgesetzen beschrieben werden kann. Die Biologie beschreibt Leben als „organisierte Materie“ und bestreitet, dass es planvolles Handeln oder eine bewusste Zielorientierung bei der Entwicklung des Lebens gibt. Beispielhaft sei der Soziobiologe Eckhart Volland zitiert: „Das Leben auf diesem Planeten kennt kein Ziel und somit keinen Fortschritt – nur ein Bewusstsein, das aus den dargelegten Gründen die Fortschrittsidee pflegt.“ (Eckhart Voland, Die Fortschrittsillusion, http://www.spektrum.de/pdf/sdw-07-04-s108-pdf/868309?file) Das ist für die biologische Evolution sicherlich richtig, für die kulturelle Evolution scheint es mir aber zu kurz zu greifen. Kann man den Erkenntnisgewinn (man denke an Kunst ebenso wie an Naturwissenschaften, Technik ebenso wie Poesie) dieser kulturellen Evolution, die auf ganz verschiedenen Ebenen der Selbsterkenntnis und Reflexion der Evolution zuarbeitet, nicht verbinden mit der biblischen Vorstellung einer Schöpfung im Werden, einer Schöpfung, die sich weiterentwickelt, ihrer selbst bewusst wird?&#xA;&#xA;Woher kommt das Ich?&#xA;&#xA;Man könnte ja weiterfragen, wie in unserem Gehirn überhaupt eine Vorstellung vom Bewusstsein, das denkt, gebildet  wird – oder einfacher gesagt: wie das Gehirn eine Vorstellung über sich selber gewinnt. Eine schlüssige Antwort gibt es bis heute darauf nicht. Es ist vielleicht auch biblisch gesprochen – in Kritik des neuzeitlichen Individualismus im Sinne des „Ich denke, also bin ich“ – unmöglich, sich selbst quasi aus dem Nichts zu denken und zu entwerfen. Wer wir sind, wer „Ich“ ist, wer „ich“ bin, das kann der Mensch kaum selbst beantworten.&#xA;&#xA;And in the End… \[1\]&#xA;&#xA;Damit kommen wir zurück zu dem Angesprochensein, das den Menschen als Menschen kennzeichnet. Indem der Mensch im Laufe seiner Entwicklung „Ich“ sagen gelernt hat und im Du einem anderen „Ich“ in seiner Unmittelbarkeit und zugleich völligen Andersheit begegnet, und sich in ihn hineinversetzen kann, ist in der Evolution des menschlichen Bewusstseins etwas entstanden, was diese vorfindliche Welt zu überschreiten scheint. Wir finden keinen Ort und keine Zeit, wo das Ich und das andere Ich, das Du, wirklich angesiedelt ist. Noch nicht einmal in uns selbst. So wie ich einfach da bin, hier und an diesem Ort, ist dieses Ich da.&#xA;&#xA;So wie dieses „Ich“ und „Du“ an Grenzen stossen und gleichzeitig die Grenzen des Vorfindlichen überschreiten, markieren Sie eine Bruchstelle des Universums. Und so gewiss wir, wie alles Leben, auch dem Zufall unterworfen bleiben, so gewiss bin ich auch, dass es mehr als Zufall war, dass meine Mutter nicht beim zweiten Kind gestreikt hat und mein Vater keine Augen für andere Frauen als meine Mutter hatte. Dieses Leben, das mir als einmaliges Geschenk zugefallen ist, kann nicht nur zufällig sein. Oder wie es die Bibel sagt: „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein“ (Jes 43, 1)&#xA;&#xA;Ich gebe zu, das war jetzt für einen Wochenanfang recht philosophisch. Aber das muss auch mal sein. 🙂&#xA;&#xA;Uwe Hayno Klaas Tatjes&#xA;&#xA;\[1\] The Beatles: And in the End/ the Love you take/ is equal/ to the Love/ you make. https://youtu.be/eqOM2NjKaBk?si=0sl7kZgp6f_QtUkD]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Warum hier und nicht woanders – und warum überhaupt</em></p>

<p>Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, warum Sie überhaupt da sind? Ich meine, wenn Sie aus einer kinderreichen Familie stammen, was wäre, wenn Ihre Mutter schon beim vorherigen oder vorvorherigen Geschwister gesagt hätte: Schluss, aus. Ich kann nicht mehr. Keine weiteren Kinder. Wenn Ihr Vater oder Ihre Mutter an dem Tag (oder der Nacht) Ihrer Zeugung keine Lust oder einfach Migräne gehabt hätte? Was wenn Ihre Frau Mama dem Werben eines anderen Mannes nachgegeben hätte oder die Spermien Ihres Vaters sich woanders auf Wettrennen begeben hätten?</p>

<p>Und überhaupt, warum sind Sie überhaupt hier geboren und nicht irgendwo in Afrika, in den Anden oder in einer asiatischen Grossstadt? Welchem Zufall haben Sie es zu verdanken, dass Sie gerade der oder die sind, die Sie heute nun mal sind?</p>

<p><em>Sind wir mehr als ein Zufall?</em></p>



<p>Wenn wir anfangen darüber nachzudenken, dann merken wir, dass unser Leben gar nicht so notwendig ist, wie es unserem Bewusstsein manchmal vorkommt und nicht mehr als ein Zufall in einem Universum aus Zufälligkeiten zu sein scheint.</p>

<p>Unser Bewusstsein gerät ob solcher Fragen an Grenzen und eine Bruchstelle tut sich auf zwischen der Selbstverständlichkeit, mit der wir uns wahrnehmen und der Zufälligkeit, die unser Leben inmitten des Universums darstellt.</p>

<p>Und doch gibt es in uns Menschen etwas, das hinausdrängt über das, was sowieso offensichtlich ist, was mehr ist als reine Materie und Ergebnis des Zufalls. Wir transzendieren, sagen die Philosophen. Wir fragen nach dem, was über uns hinausgeht.</p>

<p><em>Angesprochen und herausgerufen</em></p>

<p>Die Bibel fasst etwas davon in kurzen Worten zusammen:</p>

<p>„<em>Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein</em>“ (Jes 43, 1)</p>

<p>Dieser Satz ist wahrscheinlich einer, den man auch ohne grosse Bibelkenntnisse sofort versteht. Spricht er doch eine persönliche  Erfahrung an, dass wir uns als Menschen gerade darin selbst begreifen, dass wir Sprache und einen Namen haben, ansprechbar sind und andere(s) ansprechen können. In der Spannung von „Du“ und „Ich“ entsteht eine Sphäre des Personalen, die fern jedes Zufälligen dem Dasein etwas ganz Besonderes gibt.</p>

<p>Als Angesprochene werden wir gerufen, man könnte auch sagen, herausgerufen aus dem Wust der Koinzidenzen, im Angesprochensein manifestiert sich auch so etwas wie ein Ruf, ein Sinn, dem wir zustreben. Weil ich für jemand anderen wichtig bin, bin ich auch mehr als ein Zufall. Darin verborgen eine elementare Hoffnung: Es gibt inmitten der Zufälle, inmitten des Unberechenbaren ein Gegenüber. Aus dieser Sehnsucht und diesen Erfahrungen wächst auch die Religion.</p>

<p><em>Nicht persönlich gemeint, aber doch persönlich genommen</em></p>

<p>Diese Worte der Bibel werden von uns persönlich gehört. Aber ursprünglich sind sie an das Volk Israel im Exil gerichtet. Sie sind gesättigt mit historischen Erfahrungen, der militärischen Niederlage und dem Untergang Israels, der Verschleppung und dem Exil des Volkes. Sie schlagen einen Bogen von der Befreiungstat Gottes in Ägypten in die Gegenwart, wo Gott auch wieder aus der Knechtschaft des Exils befreien wird. Gott wird unter diesen Erfahrungen nicht nur immer klarer als Schöpfer des Ganzen, sondern auch als Lenker der Geschichte gesehen. Ausgehend von dem lokalen Gott, der sich Israel auserwählt und begleitet, weitet sich sein Begriff zu einem universalen Gott, der verlässlich ist und die Geschichte lenkt. Was das Volk im Grossen erlebte: Die Zuverlässigkeit, die persönliche Zuwendung Gottes zum Volk im Ganzen, das überträgt man dann auch wieder auf das eigene Leben. Woraus sich erklärt, dass diese Worte nicht persönlich gemeint waren, an einen oder eine Einzelnen/Einzelne adressiert waren, aber gleichwohl auch persönlich gehört und verstanden werden können.</p>

<p>Die Geschichte, mein Leben hat ein Gegenüber und ein Ziel.</p>

<p><em>Alles zwecklos</em></p>

<p>Solche Überlegungen haben ihren Charme und werden darum auch gerne persönlich angeeignet. Die moderne Biologie ist da manchmal unbarmherziger, weil sie uns sagt, dass das Leben zufällig entsteht, indem sich etwas Zweckmäßiges  aus Zwecklosem bildet. Darin verhält sich die organische Welt auch grundlegend anders als die anorganische, die mit Naturgesetzen beschrieben werden kann. Die Biologie beschreibt Leben als „organisierte Materie“ und bestreitet, dass es planvolles Handeln oder eine bewusste Zielorientierung bei der Entwicklung des Lebens gibt. Beispielhaft sei der Soziobiologe Eckhart Volland zitiert: „Das Leben auf diesem Planeten kennt kein Ziel und somit keinen Fortschritt – nur ein Bewusstsein, das aus den dargelegten Gründen die Fortschrittsidee pflegt.“ (Eckhart Voland, Die Fortschrittsillusion, <a href="http://www.spektrum.de/pdf/sdw-07-04-s108-pdf/868309?file">http://www.spektrum.de/pdf/sdw-07-04-s108-pdf/868309?file</a>) Das ist für die biologische Evolution sicherlich richtig, für die kulturelle Evolution scheint es mir aber zu kurz zu greifen. Kann man den Erkenntnisgewinn (man denke an Kunst ebenso wie an Naturwissenschaften, Technik ebenso wie Poesie) dieser kulturellen Evolution, die auf ganz verschiedenen Ebenen der Selbsterkenntnis und Reflexion der Evolution zuarbeitet, nicht verbinden mit der biblischen Vorstellung einer Schöpfung im Werden, einer Schöpfung, die sich weiterentwickelt, ihrer selbst bewusst wird?</p>

<p><em>Woher kommt das Ich?</em></p>

<p>Man könnte ja weiterfragen, wie in unserem Gehirn überhaupt eine Vorstellung vom Bewusstsein, das denkt, gebildet  wird – oder einfacher gesagt: wie das Gehirn eine Vorstellung über sich selber gewinnt. Eine schlüssige Antwort gibt es bis heute darauf nicht. Es ist vielleicht auch biblisch gesprochen – in Kritik des neuzeitlichen Individualismus im Sinne des „Ich denke, also bin ich“ – unmöglich, sich selbst quasi aus dem Nichts zu denken und zu entwerfen. Wer wir sind, wer „Ich“ ist, wer „ich“ bin, das kann der Mensch kaum selbst beantworten.</p>

<p><em>And in the End…</em> [1]</p>

<p>Damit kommen wir zurück zu dem Angesprochensein, das den Menschen als Menschen kennzeichnet. Indem der Mensch im Laufe seiner Entwicklung „Ich“ sagen gelernt hat und im Du einem anderen „Ich“ in seiner Unmittelbarkeit und zugleich völligen Andersheit begegnet, und sich in ihn hineinversetzen kann, ist in der Evolution des menschlichen Bewusstseins etwas entstanden, was diese vorfindliche Welt zu überschreiten scheint. Wir finden keinen Ort und keine Zeit, wo das Ich und das andere Ich, das Du, wirklich angesiedelt ist. Noch nicht einmal in uns selbst. So wie ich einfach da bin, hier und an diesem Ort, ist dieses Ich da.</p>

<p>So wie dieses „Ich“ und „Du“ an Grenzen stossen und gleichzeitig die Grenzen des Vorfindlichen überschreiten, markieren Sie eine Bruchstelle des Universums. Und so gewiss wir, wie alles Leben, auch dem Zufall unterworfen bleiben, so gewiss bin ich auch, dass es mehr als Zufall war, dass meine Mutter nicht beim zweiten Kind gestreikt hat und mein Vater keine Augen für andere Frauen als meine Mutter hatte. Dieses Leben, das mir als einmaliges Geschenk zugefallen ist, kann nicht nur zufällig sein. Oder wie es die Bibel sagt: „<em>Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein</em>“ (Jes 43, 1)</p>

<p>Ich gebe zu, das war jetzt für einen Wochenanfang recht philosophisch. Aber das muss auch mal sein. 🙂</p>

<p><em>Uwe Hayno Klaas Tatjes</em></p>

<p>[1] The Beatles: And in the End/ the Love you take/ is equal/ to the Love/ you make. <iframe allow="monetization" class="embedly-embed" src="//cdn.embedly.com/widgets/media.html?src=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fembed%2FeqOM2NjKaBk%3Ffeature%3Doembed&display_name=YouTube&url=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DeqOM2NjKaBk&image=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FeqOM2NjKaBk%2Fhqdefault.jpg&type=text%2Fhtml&schema=youtube" width="640" height="360" scrolling="no" title="YouTube embed" frameborder="0" allow="autoplay; fullscreen; encrypted-media; picture-in-picture" allowfullscreen="true"></iframe></p>
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      <guid>https://tatjes.ch/alles-zufall-oder-bruchstellen-des-universums-wochentext-19-2026</guid>
      <pubDate>Tue, 30 Jun 2026 21:28:51 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title>Frühlingsgefühle (Wochentext #18/2026)</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Am Wochenende habe ich mal wieder viel Gitarre gespielt. Auch eines meiner Lieblingslieder Es ist ein wunderschöner Text von Jürgen Werth. „Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht, ein offnes Tor in einer Mauer, für die Sonne aufgemacht. Wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß, wie ein Blatt an toten Zweigen, ein “Ich-mag-dich-trotzdem-Kuß.”\[…\] Wie der Frühling, wie der Morgen, wie ein Lied, wie ein Gedicht, wie das Leben, wie die Liebe, wie Gott selbst, das wahre Licht.ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeihn,  so ist Versöhnung, so muß der wahre Frieden sein.“ Zu einer eingängigen und flotten Melodie hat Werth da Hoffnungsbilder gefunden, die sich einprägen.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Und ich denke, wir alle haben die Sehnsucht nach einer solchen Hoffnung, die unaufhaltsam durchbricht und unser Leben zum Blühen bringt. Eine Hoffnung, die uns anstupst und beflügelt wie eine neue Liebe.Ich bin überzeugt, dass unser Glaube immer wieder so in Bewegung setzen, inspirieren und begeistern kann. Ohne gleich völlig abzuheben, aber immer wieder so, dass unser Blick verändert wird, wir unser Leben und die ganze Welt ganz neu und überraschend sehen und all die Möglichkeiten darin entdecken können. Von Ostern her entdecke ich immer wieder die Stärke unserer Hoffnung: Die Geschichte von Jesus Christus geht dem Dunklen und Schwierigen, dem Leid und dem Unrecht nicht aus dem Weg. Keine rosa Brille für unsere Welt. Kein Beschönigen. Aber durch all das hindurch singt Gott sein Lied der Liebe, setzt Hoffnung gegen die Resignation, Jesu Auferstehung gegen das Unrecht, Leben gegen den Tod. Auch darin viele Hoffnungsbilder, die mich beflügeln, die Lust auf Leben machen, mich ins Leben rufen, um selbst für Hoffnung einzustehen in dieser Welt. Diese Hoffnung zu entdecken,  ist fast so, wie sich zu verlieben. „Dieses Kribbeln im Bauch, das man nie mehr vergisst,  wie wenn man zuviel Brausestäbchen isst, dieses Kribbeln im Bauch vermisst du doch auch,  einfach überzusprudeln vor Glück.“ , sang Pe Werner 1991. Die Botschaft von der Auferstehung ist für unseren Glauben das große Frühlingsgefühl. Wir brauchen es immer wieder. „Für das Leben, für die Liebe, für Gott selbst, das wahre Licht.“, Wie es im eingangs zitierten Lied heißt.  In diesem Sinne wünsche ich euch, liebe Leser, einen schönen Frühlingstag und vielleicht sogar ein Lied auf den Lippen,&#xA;&#xA;Uwe Hayno Klaas Tatjes]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Am Wochenende habe ich mal wieder viel Gitarre gespielt. Auch eines meiner Lieblingslieder Es ist ein wunderschöner Text von Jürgen Werth. „Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht, ein offnes Tor in einer Mauer, für die Sonne aufgemacht. Wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß, wie ein Blatt an toten Zweigen, ein “Ich-mag-dich-trotzdem-Kuß.”[…] Wie der Frühling, wie der Morgen, wie ein Lied, wie ein Gedicht, wie das Leben, wie die Liebe, wie Gott selbst, das wahre Licht.ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeihn,  so ist Versöhnung, so muß der wahre Frieden sein.“ Zu einer eingängigen und flotten Melodie hat Werth da Hoffnungsbilder gefunden, die sich einprägen.</p>



<p>Und ich denke, wir alle haben die Sehnsucht nach einer solchen Hoffnung, die unaufhaltsam durchbricht und unser Leben zum Blühen bringt. Eine Hoffnung, die uns anstupst und beflügelt wie eine neue Liebe.Ich bin überzeugt, dass unser Glaube immer wieder so in Bewegung setzen, inspirieren und begeistern kann. Ohne gleich völlig abzuheben, aber immer wieder so, dass unser Blick verändert wird, wir unser Leben und die ganze Welt ganz neu und überraschend sehen und all die Möglichkeiten darin entdecken können. Von Ostern her entdecke ich immer wieder die Stärke unserer Hoffnung: Die Geschichte von Jesus Christus geht dem Dunklen und Schwierigen, dem Leid und dem Unrecht nicht aus dem Weg. Keine rosa Brille für unsere Welt. Kein Beschönigen. Aber durch all das hindurch singt Gott sein Lied der Liebe, setzt Hoffnung gegen die Resignation, Jesu Auferstehung gegen das Unrecht, Leben gegen den Tod. Auch darin viele Hoffnungsbilder, die mich beflügeln, die Lust auf Leben machen, mich ins Leben rufen, um selbst für Hoffnung einzustehen in dieser Welt. Diese Hoffnung zu entdecken,  ist fast so, wie sich zu verlieben. „Dieses Kribbeln im Bauch, das man nie mehr vergisst,  wie wenn man zuviel Brausestäbchen isst, dieses Kribbeln im Bauch vermisst du doch auch,  einfach überzusprudeln vor Glück.“ , sang Pe Werner 1991. Die Botschaft von der Auferstehung ist für unseren Glauben das große Frühlingsgefühl. Wir brauchen es immer wieder. „Für das Leben, für die Liebe, für Gott selbst, das wahre Licht.“, Wie es im eingangs zitierten Lied heißt.  In diesem Sinne wünsche ich euch, liebe Leser, einen schönen Frühlingstag und vielleicht sogar ein Lied auf den Lippen,</p>

<p><em>Uwe Hayno Klaas Tatjes</em></p>
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      <guid>https://tatjes.ch/fruehlingsgefuehle-wochentext-18-2026</guid>
      <pubDate>Tue, 30 Jun 2026 21:25:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Ansprechend (Wochentext #17/2026)</title>
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      <description>&lt;![CDATA[In der Feedbackrunde des Konflagers sagten einige Jugendliche, dass sie sich hier und da ungerecht ansprechen oder behandelt fühlten. Auch zwei Teamer meinten, dass man in der Ansprache an die Jugendlichen einiges anders hätte ansprechen können. Das trübte nicht den Gesamteindruck, der bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut war. Dennoch habe ich das gehört.&#xA;&#xA;Ich nehme das wahr und ich nehme das ernst. Habe ich wirklich den Jugendlichen Unrecht getan? Einen falschen Ton angeschlagen? Ich will und kann das nicht ausschliessen, denn im Eifer des Gefechts sagt man schnell Worte, die man nicht bedacht oder abgewogen hat. Ich muss auch immer wieder meine Sprache, meine Kommunikation (die immer mehr ist als nur Worte und Sprache ) überdenken? Ist sie angemessen? Aufmerksam? Und auch wenn man natürlich einwenden kann, dass die Jugendlichen auch leicht den falschen Ton anschlagen können oder durch ihr Verhalten einen bestimmte Tonlage provozieren, ist das ja keine Entschuldigung. Immerhin kann ich sagen, dass der Ton doch immer sehr ruhig war, niemand angeschrieen oder runtergemacht wurde. Aber ich will auch in den Nuancen aufmerksam bleiben. Sprache ist Hoffnung, gehört zu werden. Das gilt in beide Richtungen. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Wir kann ein Gespräch, eine Begegnung gelingen? Ich denke, wichtig ist, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der das Gegenüber auch wirklich das Gefühl hat, offen und ehrlich sprechen zu können. Wo nicht Macht, Strukturen oder negative Emotionen Vertrauen im Keim ersticken. Und ich muss natürlich Interesse am Anderen zeigen, an seiner Meinung, seinen Bedürfnissen. Dazu gehört vielleicht auch der Abstand zu sich selbst: ich bin nicht der wichtigste Mensch auf der Welt, nicht nur ich habe recht, die Wahrheit ist meistens keine Einbahnstrasse und die Welt nicht Schweiz oder weiss, sondern meist ein Potpourri aus Grautönen, das Wahrnehmen, Fragen, Suchen, Abwägen und Zuhören erfordert. Und ich denke, wie bedauerlich ich es oft finde, dass wir uns oft schon ein Bild von einer anderen Meinung, einer anderen Person gemacht haben und uns hinter unseren Vorurteilen oder fest geprägten Meinungen verschanzen. Im unserer Gesellschaft kommt es immer mehr zu einem Lagerdenken, wo man nur noch die Bestätigung der eigenen Meinung sucht und jede Abweichung davon energisch bekämpft und sich dagegen abschottet. Ich denke an en Lied von Manfred Siebald, wo es heisst:&#xA;&#xA;Gib mir die richtigen Worte&#xA;Gib mir den richtigen Ton&#xA;Worte, die deutlich für jeden von dir reden&#xA;Gib mir genug davon&#xA;&#xA;Worte, die klären, Worte, die stören&#xA;Wo man vorbeilebt an dir&#xA;Wunden zu finden und sie zu verbinden&#xA;Gib mir die Worte dafür&#xA;&#xA;Kann ich den richtigen Ton finden? Die Worte, die etwas öffnen und nicht verschliessen? Das Gespräch, das echtes Verstehen und Veränderung bewirkt?&#xA;&#xA;Ich will fragend, suchend bleiben, immer auch an mir, an meiner Art, an meinen Worten arbeiten.&#xA;Das ist schliesslich auch ein biblischer Auftrag, wenn wir dem folgen wollen, der versteht und verstanden wird.&#xA;&#xA;Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.&#xA;Johannes 10,11a.27-28a&#xA;&#xA;Uwe Hayno Klaas Tatjes]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In der Feedbackrunde des Konflagers sagten einige Jugendliche, dass sie sich hier und da ungerecht ansprechen oder behandelt fühlten. Auch zwei Teamer meinten, dass man in der Ansprache an die Jugendlichen einiges anders hätte ansprechen können. Das trübte nicht den Gesamteindruck, der bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut war. Dennoch habe ich das gehört.</p>

<p>Ich nehme das wahr und ich nehme das ernst. Habe ich wirklich den Jugendlichen Unrecht getan? Einen falschen Ton angeschlagen? Ich will und kann das nicht ausschliessen, denn im Eifer des Gefechts sagt man schnell Worte, die man nicht bedacht oder abgewogen hat. Ich muss auch immer wieder meine Sprache, meine Kommunikation (die immer mehr ist als nur Worte und Sprache ) überdenken? Ist sie angemessen? Aufmerksam? Und auch wenn man natürlich einwenden kann, dass die Jugendlichen auch leicht den falschen Ton anschlagen können oder durch ihr Verhalten einen bestimmte Tonlage provozieren, ist das ja keine Entschuldigung. Immerhin kann ich sagen, dass der Ton doch immer sehr ruhig war, niemand angeschrieen oder runtergemacht wurde. Aber ich will auch in den Nuancen aufmerksam bleiben. Sprache ist Hoffnung, gehört zu werden. Das gilt in beide Richtungen.</p>



<p>Wir kann ein Gespräch, eine Begegnung gelingen? Ich denke, wichtig ist, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der das Gegenüber auch wirklich das Gefühl hat, offen und ehrlich sprechen zu können. Wo nicht Macht, Strukturen oder negative Emotionen Vertrauen im Keim ersticken. Und ich muss natürlich Interesse am Anderen zeigen, an seiner Meinung, seinen Bedürfnissen. Dazu gehört vielleicht auch der Abstand zu sich selbst: ich bin nicht der wichtigste Mensch auf der Welt, nicht nur ich habe recht, die Wahrheit ist meistens keine Einbahnstrasse und die Welt nicht Schweiz oder weiss, sondern meist ein Potpourri aus Grautönen, das Wahrnehmen, Fragen, Suchen, Abwägen und Zuhören erfordert. Und ich denke, wie bedauerlich ich es oft finde, dass wir uns oft schon ein Bild von einer anderen Meinung, einer anderen Person gemacht haben und uns hinter unseren Vorurteilen oder fest geprägten Meinungen verschanzen. Im unserer Gesellschaft kommt es immer mehr zu einem Lagerdenken, wo man nur noch die Bestätigung der eigenen Meinung sucht und jede Abweichung davon energisch bekämpft und sich dagegen abschottet. Ich denke an en Lied von Manfred Siebald, wo es heisst:</p>

<p>Gib mir die richtigen Worte
Gib mir den richtigen Ton
Worte, die deutlich für jeden von dir reden
Gib mir genug davon</p>

<p>Worte, die klären, Worte, die stören
Wo man vorbeilebt an dir
Wunden zu finden und sie zu verbinden
Gib mir die Worte dafür</p>

<p>Kann ich den richtigen Ton finden? Die Worte, die etwas öffnen und nicht verschliessen? Das Gespräch, das echtes Verstehen und Veränderung bewirkt?</p>

<p>Ich will fragend, suchend bleiben, immer auch an mir, an meiner Art, an meinen Worten arbeiten.
Das ist schliesslich auch ein biblischer Auftrag, wenn wir dem folgen wollen, der versteht und verstanden wird.</p>

<p><em>Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.</em>
Johannes 10,11a.27-28a</p>

<p><em>Uwe Hayno Klaas Tatjes</em></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://tatjes.ch/ansprechend-wochentext-17-2026</guid>
      <pubDate>Tue, 30 Jun 2026 21:22:18 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Schatzsucher (Wochentext #16/2026)</title>
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      <description>&lt;![CDATA[In dieser Woche sind wir mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden im Konflager in Lützelflüh. Neben kreativem Programm und dem Vorbereiten des Konfirmationsgottesdienstes werden wir an einem Tag auch im Napfgebiet Gold waschen und hoffentlich auch etwas finden. Ob es ein grosser Schatz sein wird? Oder doch eher ein paar Flitter Gold, die bestenfalls als Erinnerung an ein Abenteuer dienen?&#xA;Das Thema, das uns im Konflager Leuten wird heisst: „Träume und Ziele“.&#xA;Wir Menschen haben ja einen grosse Sehnsucht, einen Schatz zu finden, viele träumen davon, im Lotto zu gewinnen, auf jeden Fall wenigstens, das grosse Glück auf einen Schlag zu finden. Und fast jeder hat das Ziel reich und sorgenfrei zu werden.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Da fällt mir die Geschichte von Eisik ein: Eisik, war ein armer Handwerker, der in der polnischen Königsstadt Krakau lebte, mehr schlecht als recht, denn wie sehr er sich auch anstrengte, er schaffte es kaum, seine Familie zu ernähren. Sie lebten in großer Not, die aber sein Gottvertrauen nicht erschüttern konnte. Tag für Tag bat er den Herrn der Welt um ein Wunder, es mussten ja keine großen Wunder sein wie bei Moses und dem Auszug aus Ägypten, aber ein ganz kleines wenigstens!&#xA;Da träumte er eines Nachts von einer fremden, prachtvollen Stadt, und hörte eine Stimme: „Eisik ben Jeckel, mach dich auf nach Böhmen in die große Hauptstadt Prag…“ Da erwachte Eisik, er erinnerte sich an jedes Wort, doch vergaß er im Laufe des Tages den seltsamen Traum.&#xA;In der nächsten Nacht träumte er den gleichen Traum und hörte die Stimme noch eindringlicher als beim ersten Mal: “Eisik ben Jeckel, verlass dein Heim und geh nach Prag, dann wirst du einen großen Schatz finden!“ Doch Eisik sagte sich: „Es ist nur ein Traum, wegen dem lässt man doch nicht alles stehen. Es ist ein weiter Weg von Krakau nach Prag – ich bin doch nicht verrückt!“&#xA;In der folgenden Nacht lief er im Traum durch die Gassen der fremden Stadt, die wohl  Prag sein musste, zu einer langen, mit vielen Figuren geschmückten Brücke, die über einen breiten Fluss führte, auf dessen anderer Seite auf dem Berg ein Palast zu sehen war. Und wieder hörte er die Stimme: „Eisik ben Jeckel, geh nach Prag und grabe unter der steinernen Brücke, die zum Königspalast führt, dann wirst du einen großen Schatz finden!“&#xA;Als er schließlich den Platz unter einem Bogen am Ufer wiederzuerkennen glaubte und zu graben begann, legte sich eine schwere Hand auf seine Schulter und eine laute Stimme sagte streng: „He, Jude, was machst du da?“ Als er aufsah, stand vor ihm der Hauptmann der Wache. In seinem Schreck fiel Eisik nichts anderes ein, als die Wahrheit zu sagen, und so erzählte er ihm von seinem Traum.  &#xA;Der Hauptmann fing schallend zu lachen an. „Wegen eines Traumes bist du einen so weiten Weg gegangen? Wie kann man nur so dumm sein, an Träume zu glauben? Wäre ich so ein Narr wie Du, wäre ich schon längst in deiner Heimatstadt Krakau! Mir hat nämlich geträumt, ich wäre in Krakau im Hause eines Juden namens – Isaak…Itzik ben Jankel, oder Eisik ben Jeckel, und würde dort hinter dem Ofen ein Loch graben. Was ich dort gefunden habe? Einen Schatz natürlich – was man eben so findet, wenn man im Traum nach etwas gräbt. Aber ich bin doch nicht so verrückt, dass ich deswegen nach Krakau in die Judenstadt gehe, wo die Hälfte aller Juden Eisik heißt und die andere Jeckel! Da hätte ich ja alle Häuser niederreißen müssen, nur um in Dreck und Asche zu wühlen!“&#xA;Als der Brückenwächter endlich aufgehört hatte zu lachen, befahl er Eisik, schleunigst dahin zu verschwinden, wo er hergekommen sei. Eisik ließ sich das nicht zweimal sagen, verneigte sich höflich und machte sich auf den Heimweg.&#xA;Nach Krakau heimgekehrt, grub er ein tiefes Loch hinter seinem Ofen und stieß schließlich unter Schutt und Asche auf einen alten Eisentopf, der bis zum Rand mit Gold- und Silbermünzen gefüllt war. Es war genug Geld, um seine Familie gut zu versorgen, den Armen zu helfen und ein Lehrhaus zu bauen, das seinen Namen trug und das noch viele Jahre lang das Licht des Wissens verbreitete.&#xA;Ich entnehme dieser Geschichte, dass der Schatz nicht immer dort ist, wo wir ihn vermuten. Und dass wir keine Schätze finden, wenn wir nicht auf unsere Träume hören und neugierig bleiben. Manchmal werden wir vielleicht erst nach langer Suche entdecken, dass der Schatz in uns oder anderen verborgen war. Nie weit weg von uns. Aber erst aus der Distanz entdeckt man oft erst das, was einem nahe geht und wichtig ist. In diesem Sinne lasst uns Schatzsucher sein.&#xA;&#xA;Uwe Hayno Klaas Tatjes]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In dieser Woche sind wir mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden im Konflager in Lützelflüh. Neben kreativem Programm und dem Vorbereiten des Konfirmationsgottesdienstes werden wir an einem Tag auch im Napfgebiet Gold waschen und hoffentlich auch etwas finden. Ob es ein grosser Schatz sein wird? Oder doch eher ein paar Flitter Gold, die bestenfalls als Erinnerung an ein Abenteuer dienen?
Das Thema, das uns im Konflager Leuten wird heisst: „Träume und Ziele“.
Wir Menschen haben ja einen grosse Sehnsucht, einen Schatz zu finden, viele träumen davon, im Lotto zu gewinnen, auf jeden Fall wenigstens, das grosse Glück auf einen Schlag zu finden. Und fast jeder hat das Ziel reich und sorgenfrei zu werden.</p>



<p>Da fällt mir die Geschichte von Eisik ein: <em>Eisik, war ein armer Handwerker, der in der polnischen Königsstadt Krakau lebte, mehr schlecht als recht, denn wie sehr er sich auch anstrengte, er schaffte es kaum, seine Familie zu ernähren. Sie lebten in großer Not, die aber sein Gottvertrauen nicht erschüttern konnte. Tag für Tag bat er den Herrn der Welt um ein Wunder, es mussten ja keine großen Wunder sein wie bei Moses und dem Auszug aus Ägypten, aber ein ganz kleines wenigstens!
Da träumte er eines Nachts von einer fremden, prachtvollen Stadt, und hörte eine Stimme: „Eisik ben Jeckel, mach dich auf nach Böhmen in die große Hauptstadt Prag…“ Da erwachte Eisik, er erinnerte sich an jedes Wort, doch vergaß er im Laufe des Tages den seltsamen Traum.
In der nächsten Nacht träumte er den gleichen Traum und hörte die Stimme noch eindringlicher als beim ersten Mal: “Eisik ben Jeckel, verlass dein Heim und geh nach Prag, dann wirst du einen großen Schatz finden!“ Doch Eisik sagte sich: „Es ist nur ein Traum, wegen dem lässt man doch nicht alles stehen. Es ist ein weiter Weg von Krakau nach Prag – ich bin doch nicht verrückt!“
In der folgenden Nacht lief er im Traum durch die Gassen der fremden Stadt, die wohl  Prag sein musste, zu einer langen, mit vielen Figuren geschmückten Brücke, die über einen breiten Fluss führte, auf dessen anderer Seite auf dem Berg ein Palast zu sehen war. Und wieder hörte er die Stimme: „Eisik ben Jeckel, geh nach Prag und grabe unter der steinernen Brücke, die zum Königspalast führt, dann wirst du einen großen Schatz finden!“
Als er schließlich den Platz unter einem Bogen am Ufer wiederzuerkennen glaubte und zu graben begann, legte sich eine schwere Hand auf seine Schulter und eine laute Stimme sagte streng: „He, Jude, was machst du da?“ Als er aufsah, stand vor ihm der Hauptmann der Wache. In seinem Schreck fiel Eisik nichts anderes ein, als die Wahrheit zu sagen, und so erzählte er ihm von seinem Traum.  
Der Hauptmann fing schallend zu lachen an. „Wegen eines Traumes bist du einen so weiten Weg gegangen? Wie kann man nur so dumm sein, an Träume zu glauben? Wäre ich so ein Narr wie Du, wäre ich schon längst in deiner Heimatstadt Krakau! Mir hat nämlich geträumt, ich wäre in Krakau im Hause eines Juden namens – Isaak…Itzik ben Jankel, oder Eisik ben Jeckel, und würde dort hinter dem Ofen ein Loch graben. Was ich dort gefunden habe? Einen Schatz natürlich – was man eben so findet, wenn man im Traum nach etwas gräbt. Aber ich bin doch nicht so verrückt, dass ich deswegen nach Krakau in die Judenstadt gehe, wo die Hälfte aller Juden Eisik heißt und die andere Jeckel! Da hätte ich ja alle Häuser niederreißen müssen, nur um in Dreck und Asche zu wühlen!“
Als der Brückenwächter endlich aufgehört hatte zu lachen, befahl er Eisik, schleunigst dahin zu verschwinden, wo er hergekommen sei. Eisik ließ sich das nicht zweimal sagen, verneigte sich höflich und machte sich auf den Heimweg.
Nach Krakau heimgekehrt, grub er ein tiefes Loch hinter seinem Ofen und stieß schließlich unter Schutt und Asche auf einen alten Eisentopf, der bis zum Rand mit Gold- und Silbermünzen gefüllt war. Es war genug Geld, um seine Familie gut zu versorgen, den Armen zu helfen und ein Lehrhaus zu bauen, das seinen Namen trug und das noch viele Jahre lang das Licht des Wissens verbreitete.</em>
Ich entnehme dieser Geschichte, dass der Schatz nicht immer dort ist, wo wir ihn vermuten. Und dass wir keine Schätze finden, wenn wir nicht auf unsere Träume hören und neugierig bleiben. Manchmal werden wir vielleicht erst nach langer Suche entdecken, dass der Schatz in uns oder anderen verborgen war. Nie weit weg von uns. Aber erst aus der Distanz entdeckt man oft erst das, was einem nahe geht und wichtig ist. In diesem Sinne lasst uns Schatzsucher sein.</p>

<p><em>Uwe Hayno Klaas Tatjes</em></p>
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      <guid>https://tatjes.ch/schatzsucher-wochentext-16-2026</guid>
      <pubDate>Tue, 30 Jun 2026 21:19:50 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Hoffnungsträger (Wochentext #15/2026)</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Im Gottesdienst an Ostern sangen wir das Lied RG 486 „Der schöne Ostertag“ mit dem schönen Text von Jürgen Henkys. In der dritten Strophe heisst es da:&#xA;Muss ich von hier nach dort –&#xA;er hat den Weg erlitten.&#xA;Der Fluss reisst mich nicht fort,&#xA;seit Jesus ihn durchschritten.&#xA;Wär’ er geblieben, wo des Todes Wellen branden,&#xA;so hofften wir umsonst.&#xA;Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden,&#xA;erstanden.&#xA;Ich erinnere mich, dass ich im letzten Jahr, als wir dieses Lied sangen, weinen musste.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Denn ich musste an meinen Vater denken, der kurz zuvor gestorben war. Zu frisch war noch der Schmerz, der an die Bilder des Textes rührte: Das Fortgehen, Loslassenmüssen eines geliebten Menschen, der Fluss der Zeit, der Tote und Lebende voneinander trennt, die Toten zurücklässt und die Lebenden weiterreisst.&#xA;Der Text enthält eine Referenz auf die Christophorus-Legende. Opfers, ein Riese, der nur dem mächtigsten Herrscher dienen wollte, fand überall in der Welt nur Herren, deren Macht begrenzt war und die irgendeinen anderen Herren fürchteten, wenigstens aber den Teufel. Doch selbst der fürchtete Gott, der die Last der Welt trage. Auf seiner Suche nach Gott riet ihm ein Einsiedler, der an einem grossen Fluss lebte, Menschen, die von hier nach dort wollten, über den reissenden Fluss zu setzen. Dort, so der Einsiedler, würde sich ihm Gott, wenn er nur geduldig sei, offenbaren. Und Offerus setzte nun Tag für Tag Menschen über das reissende Wasser. Eines Tages aber, er hatte sich schon niedergelegt, hörte er ein feines Stimmen, das rief: Offerus, Offerus, setze mich über. Draussen fand er ein Kind, das er auf die Schulter hob, bevor er in den Fluss stieg. Doch dieses Kind, so klein und zierlich es war, lastete auf ihm, als träge er die ganze Welt auf seinen Schultern. Fast schon riss ihn der Fluss weg und der Baumstamm, auf den er sich bei seinen Flussüberquerungen zu stützen pflegte, splitterte beinahe unter der unerwarteten Last. Da sagte das Kind auf seiner Schulter: Offerus, Du hast den gefunden, den Du gesucht hast. Ich bin der Christus, der die Last der Welt trägt. Weil Du mich heute getragen hast, sollst du hinfort Christophorus heissen, das bedeutet: Christusträger. Und mit Mühe erreichte Christophorus das andere Ufer, war aber nun zufrieden, dass der ihn gefunden hatte, den er gesucht hatte.&#xA;Ostern heisst für mich die Perspektive wechseln. Natürlich leben wir in einer Welt,. wo es genug Todesmächte gibt, wo Menschen, die wir lieben, durch den Tod von unserer Seite gerissen werden, wo wir selbst eines Tages sterben. Aber von Ostern her ist das nicht mehr entscheidend. Der Tod hat seine Macht verloren. Er reisst uns nicht mehr fort. Wir spüren, dass wir die Hoffnung annehmen, tragen können, aber wie Christopherus tragen nicht wir die Hoffnung, sondern die Hoffnung trägt uns und andere. Wir können Christophorus werden, Träger der Hoffnung Jesu Christi, Hoffnungsträger im wahrsten Sinne des Wortes. Und wie sich bei den Jüngern der Schrecken der Kreuzigung in die überraschende Freude der Auferstehung, eine ganz neue Hoffnung umkehrte, können wir auch spüren, dass wir zwar Hoffnungsträger werden, aber die Hoffnung am Ende uns trägt und nicht wir sie.&#xA;&#xA;Uwe Hayno Klaas Tatjes]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Im Gottesdienst an Ostern sangen wir das Lied RG 486 „Der schöne Ostertag“ mit dem schönen Text von Jürgen Henkys. In der dritten Strophe heisst es da:
<em>Muss ich von hier nach dort –
er hat den Weg erlitten.
Der Fluss reisst mich nicht fort,
seit Jesus ihn durchschritten.
Wär’ er geblieben, wo des Todes Wellen branden,
so hofften wir umsonst.
Doch nun ist er erstanden, erstanden, erstanden,
erstanden.</em>
Ich erinnere mich, dass ich im letzten Jahr, als wir dieses Lied sangen, weinen musste.</p>



<p>Denn ich musste an meinen Vater denken, der kurz zuvor gestorben war. Zu frisch war noch der Schmerz, der an die Bilder des Textes rührte: Das Fortgehen, Loslassenmüssen eines geliebten Menschen, der Fluss der Zeit, der Tote und Lebende voneinander trennt, die Toten zurücklässt und die Lebenden weiterreisst.
Der Text enthält eine Referenz auf die Christophorus-Legende. Opfers, ein Riese, der nur dem mächtigsten Herrscher dienen wollte, fand überall in der Welt nur Herren, deren Macht begrenzt war und die irgendeinen anderen Herren fürchteten, wenigstens aber den Teufel. Doch selbst der fürchtete Gott, der die Last der Welt trage. Auf seiner Suche nach Gott riet ihm ein Einsiedler, der an einem grossen Fluss lebte, Menschen, die von hier nach dort wollten, über den reissenden Fluss zu setzen. Dort, so der Einsiedler, würde sich ihm Gott, wenn er nur geduldig sei, offenbaren. Und Offerus setzte nun Tag für Tag Menschen über das reissende Wasser. Eines Tages aber, er hatte sich schon niedergelegt, hörte er ein feines Stimmen, das rief: Offerus, Offerus, setze mich über. Draussen fand er ein Kind, das er auf die Schulter hob, bevor er in den Fluss stieg. Doch dieses Kind, so klein und zierlich es war, lastete auf ihm, als träge er die ganze Welt auf seinen Schultern. Fast schon riss ihn der Fluss weg und der Baumstamm, auf den er sich bei seinen Flussüberquerungen zu stützen pflegte, splitterte beinahe unter der unerwarteten Last. Da sagte das Kind auf seiner Schulter: Offerus, Du hast den gefunden, den Du gesucht hast. Ich bin der Christus, der die Last der Welt trägt. Weil Du mich heute getragen hast, sollst du hinfort Christophorus heissen, das bedeutet: Christusträger. Und mit Mühe erreichte Christophorus das andere Ufer, war aber nun zufrieden, dass der ihn gefunden hatte, den er gesucht hatte.
Ostern heisst für mich die Perspektive wechseln. Natürlich leben wir in einer Welt,. wo es genug Todesmächte gibt, wo Menschen, die wir lieben, durch den Tod von unserer Seite gerissen werden, wo wir selbst eines Tages sterben. Aber von Ostern her ist das nicht mehr entscheidend. Der Tod hat seine Macht verloren. Er reisst uns nicht mehr fort. Wir spüren, dass wir die Hoffnung annehmen, tragen können, aber wie Christopherus tragen nicht wir die Hoffnung, sondern die Hoffnung trägt uns und andere. Wir können Christophorus werden, Träger der Hoffnung Jesu Christi, Hoffnungsträger im wahrsten Sinne des Wortes. Und wie sich bei den Jüngern der Schrecken der Kreuzigung in die überraschende Freude der Auferstehung, eine ganz neue Hoffnung umkehrte, können wir auch spüren, dass wir zwar Hoffnungsträger werden, aber die Hoffnung am Ende uns trägt und nicht wir sie.</p>

<p><em>Uwe Hayno Klaas Tatjes</em></p>
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      <guid>https://tatjes.ch/hoffnungstraeger-wochentext-15-2027</guid>
      <pubDate>Tue, 30 Jun 2026 20:49:42 +0000</pubDate>
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